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Ein Tag im Tempel

Der Tagesablauf in unserem Tempel dreht sich um die Verehrung Krishnas in seiner Gestalt als arca-vigraha. Das Sanskrit-Wort arca-vigraha wird mit "Bildgestalt Gottes" übersetzt. Es handelt sich hierbei nicht um eine Statue oder Götze, sondern um die Form Gottes, wie sie in den vedischen Schriften offenbart wird. Gott ist alldurchdringend und in jedem Element, in jedem Atom gegenwärtig. Dass er sich seinen Geweihten in Form der arca-vigraha offenbart, ist also nicht so aussergewöhnlich, wie es auf den ersten Blick scheint.

Im Anschluss steht ein detaillierter Tagesablauf, wie er in den meisten von Srila Prabhupada gegründeten Krishna-Tempeln stattfindet. Im Anschluss könnt Ihr Euch die Tempel-Lieder, die zu den verschiedenen Tageszeiten gesungen werden mit dem RealPlayer anhören.

Tagesablauf

3:30

"Morgenstund hat Gold im Mund": Aufstehzeit für die Tempelbewohner.

4:00

Die Welt ist noch am Schlafen, es gibt keine Erledigungen, Besorgungen, Telefone, man braucht nichts einzukaufen, keine Besuche zu empfangen - also die ideale Zeit für Besinnung und Verinnerlichung. Das Erwachen der Natur ist ein Sinnbild für das feine Erwachen von seelischen Bedürfnissen - für die man während der Meditation wieder ein "Gespür" bekommt. Wer einmal das Experiment wagt, ganz bewusst und ohne äusseren Zwang nur zwei Stunden vor seiner gewohnten und durch die Umstände bedingten Zeit aufzustehen, wird sich fragen: "Was jetzt? Was soll ich nun tun? Nur schon ein solches Fragen zeigt uns auf, dass diese Zeit ideal ist für die Meditation, denn das "Nichtstun" im Äusseren kann sensibel machen für innere Anliegen.

4.30 - 5:15

mangal-arati (heilige Morgenzeremonie). Gemeinsames Singen von Sanskrit-Liedern und Hymnen.

5:15 - 7.15

japa-Meditation: Das Wort japa bedeutet "leise sprechen", murmeln, hergeleitet vom Verb jaapati. japa ist die geflüsterte, gesprochene oder gesungene ständige Wiederholung einer Meditationsformel (mantra), eines Gottesnamens, wodurch Konzentration des Bewusstseins und Erkenntnis von dem Inhalt des mantras erzielt wird; es ist eine der wichtigsten Meditationsformen im Hinduismus. Die Wiederholung des Gottesnamens ist inneres Gebet. Wenn puja (Verehrungszeremonie) abgehalten wird, so ist das ein äusserlicher Ritus, durch den man hindurchdringen soll zu einer manasa puja (Verehrung im Geist), die im Bewusstsein stattfindet. Nur dann ist das äusserliche Ritual, der äusserliche Gottesdienst, auch wirklich wirksam. Genau das trifft auch auf japa zu, indem der Name Gottes zuerst laut fortwährend wiederholt wird und dann im Inneren, im Geist, weiterschwingt, um schliesslich in die Tiefe des Herzens einzusinken. Das Kontemplieren über die Heiligen Namen Gottes ist eine sehr reine Form des Gebetes: Es geht nicht um ein Erbitten von etwas, sondern nur um ein Sehnen nach Gemeinschaft, nach der persönlichen Beziehung mit Gott, mit Sri Krishna. japa ist auch in der christlichen abenländischen Tradition bekannt: das ständige Wiederholen des "Herzensgebetes", wie es vor allem in der orthodoxen Kirche praktiziert wird.

7:15 -7:45

darshan-arati, gemeinsames Singen und Blumenopferung

7:45

Lesung aus dem Srimad-Bhagavatam, dem bedeutendsten theistischen Werk der vedischen Literatur, gefolgt von einem Fragen- und Antwortteil. Die Vortragenden wechseln sich täglich ab.

9:00

Vegetarisches Frühstück - westliche und vedische Küche.

10:00 -19.00

Nach dem Frühstück werden praktische Tätigkeiten ausgeführt. Man versucht die Transzendenz, die man in den Morgenstunden meditativ erfahren hat, im aktiven Handeln umzusetzen, um nicht von der Dynamik der Aktivität vom eigenen Selbst - der ewigen Seele, entfremdet zu werden. Praktische Tätigkeiten beinhalten z.B. Reinigen des Tempels, Kochen, Verkaufen von Büchern, Seelsorge, Sterbebegleitungen, Heirats- und Taufzeremonien ausführen, Einkaufen, Gartenarbeit, Reparaturen im Haus, Beantworten von Briefen, Seminare unterrichten, Bücher schreiben. Diese Tätigkeiten sollen immer gemäss der individuellen Natur des Individuums angepasst sein. Alle Tempelbewohner sollen sich auch mindestens zwei Stunden täglich dem Studium heiliger Texte widmen.

12:00

Raja-bhoga arati: Mittagszeremonie

13:00

Gemeinsames Mittagsmahl

19:00

Gaura-arati: kleine Abendzeremonie. Gemeinsames Singen der Gottesnamen.

19:45

Bhagavad-gita-Vorlesung

Frühe Nachtruhe (gemäss dem individuellen Bedürfnis nach Schlaf)

Ihr seid zu allen Teilen dieses Programms herzlich eingeladen, um die spirituellen Zeremonien, das Leben der Krishna-Geweihten im Tempel, die kulinarische Vielfalt der indisch-vegetarischen Küche, sowie die Philosophie und Literatur der Vaishnava-Tradition näher kennenzulernen.

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