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Sri Caitanya Mahaprabhu

Ratha-yatra

Sri Chaitanya Mahaprabhu erschien im Jahre 1486 in Navadvipa (Mayapur). Er wurde in Seiner Kindheit als Nimai Pandita bekannt. Er erhielt den Namen Nimai, weil er unter einen neem-Baum geboren wurde, und Pandita, weil er schon als Kind alle Gelehrten durch Seine Kenntnisse der Logik widerlegte. Die ersten 24 Jahre Seines Erscheinens verbrachte Sri Chaitanya Mahaprabhu in Mayapur (Bengalen). Sein spiritueller Meister war Ishvara Puri. Mit 24 Jahren nahm Sri Chaitanya Mahaprabhu den Lebensstand der Entsagung, sannyasa, an. Von den weiteren 24 Jahren Seines 'irdischen' Daseins verbrachte er sechs Jahre auf Reisen durch Indien und 18 Jahre in Jagannatha Puri. Nach 48 Jahren verliess Shri Chaitanya Mahaprabhu den Planeten Erde. Im Chaitanya-charitamrita wird folgender Vers aus dem Shrimad-Bhagavatam (11.5.32) zitiert:

"ln diesem Zeitalter des Kali führen diejenigen, die intelligent sind, das gemeinsame Chanten des Hare-Krishna-maha-mantra durch und verehren so die Höchste Persönlichkeit Gottes, die in diesem Zeitalter erscheint, indem sie die Herrlichkeiten Krishnas beschreibt. Diese Inkarnation ist von gelblicher Körpertönung und wird immer begleitet von ihren vollständigen Erweiterungen, wie Shri Nityananda Prabhu und persönlichen Erweiterungen wie Gadadhara, sowie Gottgeweihten und Gefährten wie Svarupa Damodara."

 

Krishna ist bekannt als triyuga oder derjenige, der in drei Zeitaltern erscheint. Im Kali-yuga erscheint Krishna eigentlich nicht. Krishna erscheint im Kali-yuga als versteckter avatara (channa avatara). Lord Chaitanya Mahaprabhu hat nie verkündet, dass Er die Höchste Persönlichkeit Gottes sei. Nur Seinen sehr engen Geweihten hat Er dies offenbart. Einmal in Navadvipa hat Er jeden einzelnen Gottgeweihten zu sich gerufen und sich auf den Altar gesetzt, um jedem Gottgeweihten eine Form Krishnas zu zeigen, die ihm sehr lieb war. Manche Gottgeweihte haben Lord Nrisimhadeva verehrt, und Shri Chaitanya hat ihnen Lord Nrisimhadeva gezeigt. Manche Gottgeweihte haben Lord Ramacandra verehrt, und Shri Chaitanya Mahaprabhu hat ihnen Lord Ramacandra gezeigt. Caitanya Mahaprabhu ist nicht irgendeine Inkarnation, sondern Chaitanya Mahaprabhu ist Krishna Selbst, der in einer nicht-schwärzlichen Hauttönung erscheint. In diesem Vers aus dem Shrlmad-Bhagavatam wird beschrieben, daß Chaitanya Mahaprabhu im Kali-yuga nicht allein erscheint - Er erscheint mit Seinen Geweihten.

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Sri Chaitanya ist Krishna Selbst. Nityananda ist Balarama, Advaita-acarya ist eine Inkarnation von Maha-Vishnu, Gadadhara ist eine Erweiterung von Srimati Radharani, und Shrivasa Thakura ist Narada Muni. Chaitanya Mahaprabhu erscheint mit diesen Geweihten, und mit seiner Waffe, dem Hare-Krishna-maha-mantra. Der Hare-Krishna-maha-mantra war schon immer da, aber Chaitanya Mahaprabhu hat ihn wieder eingeführt, weil zur damaligen Zeit die Kasten-brahmanas das Gerücht verbreitet hatten, daß man den Hare-Krishna-Mantra nur als gebürtiger brahmana chanten kann. Im Mahabharata heißt es: "Der Herr in der Inkarnation Gaura-sundaras hat eine goldene Körpertönung. Ja, Sein ganzer Körper, der sehr schön gebaut ist, gleicht geschmolzenem Gold. Sandelholzpaste ist über Seinen ganzen Körper gestrichen. Er ist in den vierten Stand des spirituellen Lebens, sannyasa, eingetreten, und Er wird sehr selbstbeherrscht sein. Er wird sich von den mayavadi sannyasis darin unterscheiden, dass Er im hingebungsvollen Dienst sehr gefestigt ist und die sankirtana-Bewegung verbreitet."

 

Im dritten Kapitel des Adi-lila, des Chaitanya-caritamrta werden die Gründe des Erscheinens von Chaitanya Mahaprabhu angegeben. Die Hauptgründe bestehen darin, daß der Höchste Herr gerne Seine eigene Lieblichkeit kosten möchte. Krishna hat Gemeinschaft mit den gopis, und die gopis genießen immer Seine Gemeinschaft. Aber Krishna kann Seine eigene Gemeinschaft nicht selbst genießen. Daher erscheint Shri Chaitanya Mahaprabhu als Gottgeweihter, um den Nektar zu kosten, den Seine Geweihten bei der Verehrung Krishnas erfahren. Der andere Grund ist, um raga marga zu verbreiten. Raga marga ist der Pfad der Anhaftung an Krishna. "Raga" heißt Anhaftung und "marga" heißt Strasse oder Pfad. Chaitanya Mahaprabhu ist erschienen, um diesen raga marga, diese Anhaftung an Krishna, zu verbreiten. Zum einen ist Er erschienen, um ihn zu kosten, und zum anderen, um diesen raga marga zu verbreiten. Dies sind sehr vertrauliche Gründe. Shri Chaitanya Mahaprabhu war erschienen, um zu verstehen, wie Shrimati Radharani Ihn, Krishna, liebt.

 

Am Ende Seines irdischen Daseins hat Shri Chaitanya einfach die ganze Zeit in der Gemütsstimmung von Shrimati Radharani überall Krishna gesucht. Er hat nach Krishna geweint. Er zeigte so die Gemütsstimmung von Srimati Radharani - wo ist Krishna? Wo ist Krishna? Shri Chaitanya Mahaprabhu hat auf diese Weise gezeigt, wie ein echter Gottgeweihter handeln soll. Er soll immer bestrebt sein, nach Krishna zu suchen und nicht denken, "ich habe Krishna schon gesehen! Ich weiss, wer Krishna ist!" Das ist nicht die Haltung von einem Gottgeweihten.

 

Ein Gottgeweihter denkt: "ich habe keine Liebe zu Krsna. Ich kann Krishna nicht sehen, ich kann Krishna nicht verstehen. Ich will aber!" Das ist die Haltung von einem Gottgeweihten. Im Shad-gosvami-ashtaka, das Shrinivasa-acarya geschrieben hat, wird erklärt, wie die sechs Gosvamis von Vrindavana, die sehr enge Geweihte von Chaitanya Mahaprabhu waren und ursprünglich auch im Krishna-lila teilnahmen, stets sehr traurig waren, weil sie von Krishna getrennt waren.

 

 

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Einmal hat Jayapataka Maharaja in Mayapur einen Vortrag gehalten. Er erklärte: Wenn wir den Hare-Krishna-mantra chanten, sollten wir eigentlich weinen. Wenn wir nicht weinen können, müssen wir wissen, dass wir sehr hartherzig sind. Deswegen müssen wir uns wünschen, endlich den Wunsch zu bekommen, während des Chantens weinen zu können. Der "Preis", den man "bezahlen" muss, um zurück zu Krishna zu gehen, besteht darin, daß man um Krsna weint. Wenn man irgendwann tatsächlich aus Trennungsgefühl von Krishna weinen kann, dann ist man geeignet, zurück zu Krishna zu gehen. Unsere Möglichkeit, diese Gemütsstimmung (Trennungsgefühl von Krishna) zu kultivieren, besteht darin, daß wir den sankirtana-yajna ausführen. Allein dadurch, daß wir das Chanten der Heiligen Namen praktizieren, ist es uns möglich, dieses Trennungsgefühl zu kultivieren. Wenn wir das nicht machen, wird es für uns nicht möglich sein, ein Trennungsgefühl zu kultivieren. Eine der wichtigsten glorreichen Taten Chaitanya Mahaprabhus ist die, daß Er große Persönlichkeiten zum Krishna-Bewusstsein gebracht hat. Eine dieser großen Persönlichkeiten ist Sarvabhauma Bhattacarya. Er war ein großer Gelehrter auf dem Gebiet von nava-nyaya; nava nyaya heißt "moderne Logik".

 

Selbst heutzutage werden seine Bücher, die er damals geschrieben hat, bevor er ein Geweihter Krishnas und Chaitanya Mahaprabhus wurde, immer noch gelehrt, zumindest in Indien. Und Ragunatha Shiromani, das ist einer der grössten acaryas dieser nava nyaya-Logik, war sein Schüler gewesen. Er hatte solch ein enormes Erinnerungsvermögen, daß er nur allein durch Zuhören alles lernte. Das nennt man shruta-dhara, wenn jemand durch Hören schon alles lernen kann. Er lebte in einem Dorf, wo sich die Lehrer von nava nyaya aufhielten. In diesem Dorf durfte niemand schreiben, dort lernte man einzig und allein nur durch Hören, damit dieses Wissen nicht einfach von irgendjemandem schriftlich verbreitet würde. Sarvabhauma Bhattacarya war in ganz Indien berühmt. Die Leute sind von überall aus Indien gekommen, um von ihm zu lernen.

 

Eines Tages kam Shri Chaitanya nach Jagannatha Puri. Als Er in den Jagannatha Tempel kam und dort Lord Jagannatha sah, wurde Er von Ekstase übenwältigt und fiel in Ohnmacht. Die Priester von Lord Jagannatha sagten: "Oh, hier ist wieder so ein sahajya, der einfach irgendwie die Leute zu sich anziehen will. Auf diese Weise will Er Anerkennung für sich." Sarvabhauma Bhattacarya war zu dieser Zeit im Tempel. Er sagte: "Ich nehme ihn mit nach Hause." Er hat dann Shri Chaitanya Mahaprabhu nach Hause mitgenommen, und Shri Chaitanya Mahaprabhu ist nach einem halben Tag aufgewacht und hat ihn gesegnet. Dann hat Sarvabhauma Bhattacarya Ihn gebeten, daß er Ihm zuhört. Chaitanya Mahaprabhu hat ihm sieben Tage lang zugehört, wie er das Vedanta-sutra erklärte. Sieben Tage lang hat Er nichts gesagt. Nach sieben Tagen hat Sarvabhauma Bhattacarya Chaitanya Mahaprabhu gefragt: »Verstehst Du, was ich meine? Du sagst nichts, Du fragst nichts. Deswegen weiß ich nicht, ob Du mich verstehen kannst, ob Du das Vedanta-sutra verstehen kannst."

 

Chaitanya Mahaprabhu erklärte ihm: "Das Vedanta-satra verstehe Ich, aber deine Erklärungen verstehe Ich überhaupt nicht!" Sarvabhauma Bhattacarya erklärte daraufhin den atma-rama Vers aus dem Shrimad-Bhagavatam auf neun verschiedene Arten. Daraufhin sagte Shri Chaitanya Mahaprabhu: "Du nimmst die Erklärungen von den Schriften und du verdrehst sie. Das ist Wortspielerei. Aber das ist nicht die Art und Weise, wie man die Schriften verstehen soll. Man soll die Schriften durch ein direktes Verständnis verstehen. Wenn du einen Vers liest, solltest du ihn nicht tausendmal verdrehen und versuchen, mit jedem Wort zu spielen. Du solltest einfach den Vers verstehen, wie er ist, ohne ihn zu verdrehen." Die Nachfolger von Chaitanya Mahaprabhu verstehen die Verse wie sie sind, wie z. B. die Bhagavad-gita.

 

Die Bhagavad-gita ist ein Buch, das wir alle lesen, und nach den Erklärungen von Shrila Prabhupada verstehen wir die Verse genauso, wie sie sind. Wenn Krishna sagt: "Denke immer an Mich, verehre Mich, werde Mein Geweihter", denken wir einfach: "Ja, wir sollen Krishna verehren." Aber es gibt wirklich fast kaum einen Kommentator, der wirkilch so direkte Erklärungen macht. Alle sagen: Wenn Krishna sagt "denke immer an Mich", dann meint Er nicht, daß man an Ihn denken soll, sondern man soll an den inneren ungeborenen Krishna denken. Sie verdrehen die ganzen Bedeutungen auf diese Weise. Aber Chaitanya Mahaprabhus Nachfolger verstehen die direkte Bedeutung. Dann hat Sarvabhauma Bhattacarya gesagt: "Erkläre Du doch diesen atma-rama-Vers."

 

Daraufhin hat Chaitanya Mahaprabhu den atma-rama-Vers auf 61 verschiedene Weisen erklärt, ohne seine neun verschiedenen Erklärungen zu berühren. Er hat auf diese Weise gezeigt, daß eigentlich Caitanya Mahaprabhu viel gelehrter als Sarvabhauma Bhattacarya war. Und zwar hat Er dabei nur die direkte Erklärung gegeben, ohne etwas zu verdrehen. Wenn Er den Vers verdrehen würde, könnte Er ihn auf unzählige Weisen erklären, Er wollte ihn aber nur direkt erklären. Danach hat Sarvabhauma Battacarya zwei Verse zur Verherrlichung Chaitanya Mahaprabhus verfaßt. Aus dem Cc, Madhya-lila, Kap. 6, Vers 254 und 255: "Lasst mich bei Shri Krishna, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Zuflucht suchen, der in der Form Shri Chaitanya Mahaprabhus herabgestiegen ist, um uns wirkilches Wissen, Seinen hingebungsvollen Dienst und Loslösung von allem, was nicht Krishna-Bewusstsein fördert, zu lehren. Er stieg herab, weil Er ein Ozean transzendentaler Barmherzigkeit ist. Lasst mich mich Seinen Lotosfüßen ergeben."

 

"Möge mein Bewusstsein, das einer Honigbiene gleicht, bei den Lotosfüßen des Herrn, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Zuflucht suchen, der jetzt gerade als Shri Krishna Chaitanya Mahaprabhu erschienen ist, um das uralte System des hingebungsvollen Dienstes für Sich Selbst zu lehren. Dieses System war durch den Einfluß der Zeit fast verlorengegangen."

"Wann immer, und wo immer religiöse Praxis verfällt, o Nachkomme Bharatas, und Irreligion Überhand nimmt - zu der Zeit erscheine Ich. "Dies trifft auch auf Shri Chaitanya Mahaprabhus Erscheinen zu.

 

Shri Chaitanya Mahaprabhu erschien in dieser Welt als eine verkleidete Inkarnation Krishnas, doch sein Erscheinen ist im Shrimad-Bhagavatam, im Mahabharata und in anderen vedischen Schriften bestätigt. Er ist erschienen, um die gefallenen Seelen in dieser materiellen Welt zu belehren, denn im gegenwärtigen Zeitalter des Kali hat fast jeder Anhaftung an fruchtbringende und rituelle Tätigkeiten sowie gedankliche Spekulation entwickelt. Folglich bestand eine große Notwendigkeit, das System des hingebungsvollen Dienstes wiederzubeleben. Er kam persönlich als Gottgeweihter herab, damit die gefallene Bevölkerung aus dem Beispiel des Herrn ihren Nutzen ziehen konnte.

 

Als Schlußfolgerung der Bhagavad-gita gab Shri Krishna die Anweisung, Sich Ihm völlig zu ergeben, und Er versprach seinem Geweihten allen Schutz. Unglücklicherweise sind die Menschen so gefallen, daß sie die Unterweisungen Shri Krishnas nicht annehmen können; deshalb kam Shri Krishna mit der gleichen Mission noch einmal, doch führte Er sie auf andere Weise aus. Als Shri Krishna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, gab Er uns die Anweisung, sich Ihm zu ergeben. Doch als Shri Chaitanya Mahaprabhu lehrte Er uns, wie wir uns Krishna ergeben können..." Das ist ein sehr interessanter Punkt: Krishna kam und sagte: "Gib dich hin! Aber wir können uns ihm trotzdem nicht hingeben. Wir sind nicht inspiriert und denken:

"Ich will mich nicht hingeben." Doch dann erschien Chaitanya Mahaprabhu und sagte: "Ich gebe mich hin, und du kannst auch lernen, wie man sich hingibt." Als Shri Chaitanya Mahaprabhu lehrte Er uns, wie wir uns Krishna ergeben können. Folglich wird Er von den Gosvamis gepriesen: namo maha vadanyaya Krishna prema pradayate - Shri Krishna ist gewiß die Persöolichkeit Gottes, doch ist Er nicht so großherzig wie Shri Chaitanya Mahaprabhu. Shri Krishna gab nur die Anweisung, daß man Sein Geweihter werden sollte: man-mana bhava mad-bhakto. Doch Shri Chaitanya lehrte tatsächlich den Vorgang des Krishna-Bewußtseins. Wenn jemand ein Geweihter Krishnas werden möchte, wird er zunächst bei den Lotosfüßen Shri Chaitanya Mahaprabhus Zuflucht suchen, indem er in die Fusstapfen Sarvabhauma Bhattacaryas und anderer fortgeschrittener Gottgeweihter tritt. 

 

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