Sri Krishna - die Höchste Persönlichkeit Gottes
Aus dem Vorwort zur ersten Auflage des Buches "Krishna - die Höchste Persönlichkeit Gottes" von Srila Prabhupada.
Wenn jemand hier in der westlichen Welt den Umschlag eines Buches wie den des Buches "Krishna" sieht, wird er sich sofort fragen: "Krishna - wer ist das?" Und wer ist das Mädchen an Seiner Seite?"
Die unmittelbare Antwort lautet: "Krishna ist der Höchste Persönliche Gott." Und warum? Weil Er bis in alle Einzelheiten mit den Beschreibungen übereinstimmt, die wir vom Höchsten Wesen, von Gott, haben.
Mit anderen Worten: Krishna ist Gott, weil Er alles anzieht. Ohne das Prinzip der auf alles wirkenden Anziehungskraft hat das Wort Gott keine Bedeutung. Und wie kann jemand auf alles anziehend wirken? Zunächst einmal ist jemand für andere sehr anziehend, wenn Er wohlhabend ist, d.h. wenn er grosse Reichtümer besitzt. Auch besitzt jemand, der mächtig oder berühmt ist, eine grosse Anziehungskraft. Anziehend ist jemand auch, wenn er von schöner Gestalt, oder wenn er weise ist, oder wenn er auf jeglichen Besitz verzichten kann.
Somit können wir aus eigener Erfahrung sagen, dass jemand durch
- Reichtum
- Macht
- Ruhm
- Schönheit
- Weisheit und
- Entsagung
anziehend wirkt. Wer alle diese sechs vollendeten Eigenschaften besitzt und über sie in unbegrenztem Ausmass verfügt, muss als der Höchste Persönliche Gott angesehen werden. Wir kennen viele reiche, mächtige, berühmte, schöne, gelehrte und entsagungsvolle Menschen, doch niemals in der Geschichte haben wir von einem Menschen gehört, der in unbegrenztem Masse gleichzeitig reich, mächtig, berühmt, schön, weise und entsagungsvoll gewesen wäre - wie Krsna es ist. Krishna, der Höchste Persönliche Gott, ist eine historische Persönlichkeit, die vor 5000 Jahren auf der Erde erschien. Er blieb für 125 Jahre auf diesem Planeten und glich in jeder Hinsicht einem gewöhnlichen menschlichen Wesen - doch Seine Handlungen waren unvergleichlich.
Vom Zeitpunkt Seines Erscheinens bis zum Zeitpunkt Seines Fortgangs ist jede Seiner Tätigkeiten beispiellos in der Weltgeschichte, und daher wird jeder, der versteht, was wir mit Gott meinen, Krishna als den Höchsten Persönlichen Gott anerkennen können. Niemand kommt Gott gleich oder ist grösser als Er. Das ist die Bedeu-tung der bekannten Worte "Gott ist gross". Es gibt verschiedene Gruppen von Menschen, die von Gott in unterschiedlicher Weise sprechen; doch die vedischen Schriften und die grossen acaryas aller Zeiten, die autorisierten Lehrer, die im Wissen um Gott erfahren sind, wie die acaryas Shankara, Ramanuja, Madhva, Vishnusvami, Shri Chaitanya und all Ihre Anhänger in der Nachfolge der spirituellen Meister, stimmen darin überein, dass Krishna der Höchste Persönliche Gott ist.
Was uns, die Nachfolger der vedischen Zivilisation betrifft, so erkennen wir die vedische Geschichtsschrei-bung an, die das gesamte Universum umfasst, das aus verschiedenen Planetensystemen besteht, die svargalokas (das höhere Planetensystem), martyalokas (das mittlere Planetensystem) und patalalokas (das niedere Planetensystem) genannt werden. Die modernen Historiker können keine Beweise für Ereignisse liefern, die fünftausend Jahre zurückliegen, und die Anthropologen sind der Ansicht, der Homo sapiens habe vor 40 000 Jahren auf diesem Planeten noch nicht existiert, weil zu der Zeit die Evolution diese Stufe der Entwicklung noch nicht erreicht habe.
Die vedischen Geschichtsbücher, die Puranas und das Mahabharata, berichten jedoch von einer Menschheits-geschichte, die Millionen und Milliarden von Jahren in die Vergangenheit zurückreicht. Wir erfahren z. B. aus diesen Schriften, dass Krishna bereits vor Millionen von Jahren erschienen ist.
Im Vierten Kapitel der Bhagavad-gita sagt Krishna zu Arjuna, sowohl Er Selbst als auch Arjuna seien schon viele Male geboren worden, doch Er, Krishna, könne Sich, im Gegensatz zu Arjuna, an all diese Geburten erinnern. Dieses Beispiel veranschaulicht den Unter-schied zwischen dem Wissen Krishnas und dem Wissen Arjunas. Arjuna mag ein grosser Krieger gewesen sein, ein sehr kultiviertes Mitglied der Kuru-Dynastie, doch trotz allem war er ein gewöhnliches menschliches Lebe-wesen mit begrenztem Wissen, wohingegen Krishna der Höchste Persönliche Gott, über unbegrenztes Wissen verfügt. Weil Krishna unbegrenztes Wissen besitzt, verfügt Er über ein Erinnerungsvermögen, das grenzen-los ist. Krishnas Wissen ist so vollkommen, dass Er Sich an all Seine Erscheinungen, die einige Millionen und Milliarden von Jahren zurückliegen, erinnern kann, wohin-gegen Arjunas Erinnerung und Wissen von Raum und Zeit begrenzt sind, da er nur ein gewöhnliches menschliches Wesen ist.
Im ersten Vers des vierten Kapitels der Bhagsvad-gita sagt Krishna z. B., dass Er Sich daran erinnern kann, vor einigen Millionen von Jahren den Sonnengott Vivashvan in den Lehren der Gita unterwiesen zu haben.
Heutzutage ist es bei vielen atheistischen Menschen Mode geworden zu versuchen, durch sogenannte Mystik Gott zu werden. Viele Atheisten behaupten, aufgrund von Einbildung oder scheinbaren Erfolgen beim Meditieren, Gott zu sein. Krishna jedoch ist kein solcher Gott. Er wird nicht zu Gott, indem Er einen mystischen Meditations-vorgang ausübt, noch muss Er Sich strenge Bussen auferlegen, um Gott zu werden. Genauer gesagt: Er wird nicht zu Gott, sondern ist unter allen Umständen Gott.
In dem Gefängnis, in das Sein Vater und Seine Mutter auf Befehl Seines Onkels, Kamsa, gesperrt wurden, erschien Krishna ausserhalb des Körpers Seiner Mutter als vierhändiger Vishnu-Narayana. Nachdem Er Sich in ein Baby verwandelt hatte, sagte Er zu Seinem Vater, er solle Ihn zum Hause Nanda Maharajas und dessen Frau Yasoda in Gokula bringen. Als Krishna noch ein kleines Baby war, versuchte die grosse Dämonin Putana, Ihn zu töten, indem sie Ihm ihre vergiftete Brust bot, doch Er saugte ihr das Leben aus. Das ist der Unterschied zwischen Gott und einem sogenannten Gott, der in der "mystischen Fabrik" produziert wird. Krishna hatte keine Gelegenheit, den mystischen yoga-Vorgang zu praktizieren; jedoch offenbarte Er Sich ständig, vom Kleinkind zum Kind, vom Kind zum Knaben und vom Knaben zum jungen Mann, als der Höchste Persönliche Gott.
Im vorliegenden Buch "Krishna" werden alle Seine Taten beschrieben, die Er als scheinbar menschliches Wesen ausführte. Obwohl Krishna die Rolle eines menschlichen Wesens spielt, behält Er doch immer Seine Identität als der Höchste Persönliche Gott.
Da Krishna allanziehend ist, sollte man alle seine Wünsche auf Krishna richten. In der Bhagavad-gita wird gesagt, dass die individuelle Person der Eigentümer bzw. Meister des Körpers ist, dass aber Krishna, der in Herzen eines jeden als Überseele weilt, der höchste Eigentümer und der höchste Meister jedes einzelnen individuellen Körpers ist. Daher wird wenn wir unsere liebenden Neigungen einfach auf Krishna richten, allumfassende Liebe, Einigkeit und Frieden augenblick-lich Wirklichkeit. Wenn jemand die Wurzel eines Baumes begiesst, bewässert er gleichzeitig auch die Äste, Zweige, Blätter und Blüten, und wenn jemand den Magen mit Nahrung versorgt, so sorgt er damit auch für alle anderen Teile des Körpers.
Die Kunst, seine Aufmerksamkeit auf den Höchsten zu lenken und Ihm seine Liebe zu schenken, wird Krishna-Bewusstsein genannt. Wir haben die Bewegung für Krishna-Bewusstsein gegründet, damit jeder sein Verlangen, ein anderes Wesen zu lieben, einfach dadurch erfüllen kann, dass er seine Liebe auf Krishna richtet. Jeder versucht, sein Verlangen nach Liebe zu befriedigen, doch die verschiedenen Wege des Sozialismus, Kommunismus, Altruismus, Humanismus, Nationalismus und was auch immer für Frieden und Wohlstand in der Welt erfunden wird, sind nutzlos und enttäuschend, weil wir uns der Kunst, Krishna zu lieben, nicht bewusst werden. Viele denken, sie könnten durch moralische Prinzipien und religiöse Rituale glücklich werden; andere glauben, durch wirtschaftliche Entwick-lung könne Glück und Zufriedenheit erreicht werden, und wieder andere sind der Ansicht, dass sie nur durch Sinnenbefriedigung glücklich werden können.
Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Die Menschen können nur dann wahrhaft glücklich werden, wenn sie lernen, Krishna zu lieben. Krishna kann die liebenden Neigungen aller Lebewesen in Vollkommenheit erwidern.
Es gibt zwölf liebende Beziehungen, die rasas genannt werden. Man kann Krishna als den Höchsten Unbekannten lieben, als den Höchsten Meister, den Höchsten Freund, das Höchste Kind und den Höchsten Liebenden - dies sind die fünf grundlegenden Liebes-rasas.
Darüber hinaus kann man Krishna auch indirekt lieben, in sieben Beziehungen, die von den fünf oben genannten rasas verschieden sind. In jedem Fall wird man sein Leben zur Vollkommenheit führen, wenn man seine schlummernde liebevolle Beziehung zu Krishna wieder-erweckt. Dies ist keine Einbildung und kein Hirngespinst, sondern eine Tatsache, die durch praktische Erfahrung verwirklicht werden kann. Man kann die Auswirkungen, die die Liebe zu Krishna auf das Leben der Menschen hat, direkt wahrnehmen.
Im Neunten Kapitel der Bhagavad-gita wird diese Wissenschaft des Krishna-Bewusstseins das vertrau-lichste Wissen, der König der Bildung und die höchste Wissenschaft der transzendentalen Verwirklichung genannt. Wir können die Ergebnisse dieser Wissen-schaft des Krishna-Bewusstseins direkt erfahren, weil sie sehr einfach und voll Freude praktizierbar ist. Welchen Prozentsatz Krishna-Bewusstseins wir auch entwickeln können, er wird ein ewiger Gewinn für unser Leben bedeuten, da er unter allen Umständen unvergänglich ist. Viele Mitglieder der Bewegung für Krishna-Bewusstsein sind das lebendige Beispiel dafür, dass selbst die heutige verwirrte und enttäuschte jüngere Generation diesen Gewinn erhalten kann, wenn sie ihre Fähigkeit zu lieben, auf Krishna lenkt. Im Gegensatz dazu muss alle Enthaltsamkeit, müssen alle Bussen und Opfer als nutzlos angesehen werden, wenn man es versäumt, seine schlummernde Liebe für Krishna zu erwecken.
Wozu benötigt man aber noch Opfer und Bussen, wenn man diese Liebe erweckt hat? Die Bewegung für Krishna-Bewusstsein ist das einzigartige Geschenk Shri Krishna Chaitanyas für die gefallenen Seelen des gegenwärtigen Zeitalters. Krishna-Bewusstsein ist eine sehr einfache Methode, die in den westlichen Ländern während der letzten vier Jahre (geschrieben Ende 60er Jahre) von vielen angewandt wurde, und es steht ausser Zweifel, dass diese Bewegung den Wunsch nach wirklicher Liebe, der in allen Menschen vorhanden ist, erfüllen kann.
Das Buch "Krishna", eine transzendentale Schrift, die in zwei Teilen mit vielen Illustrationen herausgegeben wird, ist eine weitere Veröffentlichung, die dazu beitragen soll, die Bewegung für Krishna-Bewusstsein in der westlichen Welt weiter zu verbreiten. Die Menschen lieben es, als Zeitvertreib spannende und unterhaltsame Geschichten zu lesen. Nun kann diese Neigung auf Krishna gerichtet werden. Das Ergebnis wird die immerwährende Zufriedenheit der Seele sein, und dies sowohl individuell als auch kollektiv. In der Bhagavad-gita wird gesagt, dass schon eine kleine Bemühung auf dem Pfad des Krishna-Bewusstseins einen Menschen vor der grössten Gefahr bewahren kann. Unzählige Beispiele von Menschen können angeführt werden, die den grössten Gefahren des Lebens durch ein wenig Fortschritt im Krishna-Bewusstsein entgangen sind. Wir bitten daher jeden, seinen Nutzen aus dieser bedeutenden transzendentalen Schrift zu ziehen. Wenn man Seite für Seite aufmerksam liest, wird man bemerken, dass ein unermesslicher Schatz an Wissen über Kunst, Wissenschaft, Literatur, Philosophie und Religion enthüllt wird, und letzten Endes wird durch das Lesen dieses einen Buches, "Krishna", die Liebe zu Gott wiedererweckt werden.


